Wir stellen eure Studienrichtungsvertretung
Geschichte an der Uni Wien
QUEERFEMINISTISCH
Queerfeminismus bedeutet für uns den Kampf gegen Diskrimmierung aufgrund von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität (inklusive die Geschlechtsidentität von Transpersonen) im Privaten und der Öffentlichkeit. Darüber hinaus bedeutet es, dass wir die gesellschaftlichen Vorstellungen von Geschlechterrollen problematisieren und heteronormative Strukturen grundsätzlich ablehnen, und dass wir ein Bewusstsein für diese Strukturen schaffen und auch verinnerlichen möchten.
Frauen und (gender-)queere Personen sind in der patriarchalen und heteronormativen Gesellschaft in der wir leben immer noch in Uni, Beruf und auch Freizeit von den von dieser Gesellschaft getragenen Zwängen, Normen und anderen Unterdrückungsformen betroffen, gegen die sie sich alltäglich behaupten müssen. Ihre soziale Benachteiligung wird dabei aber medial und auch sozial meist nicht ernst genommen, und mit “es gibt doch schon Gleichberechtigung” oder “Leute sollten aus privaten Sachen kein öffentliches Drama machen” abgetan. Traditionelle Rollenbilder und Zwänge, Diskriminierung historisch gewachsene Ungleichheiten, gläserne Decken, Pay (und Employment) Gaps, und (sexuelle) Gewalt stellen weiterhin alltägliche Einschnitte in die Freiheit, Gesundheit, Karriere, Bildung und das allgemeine Leben dar.

Von Kind auf werden Menschen zu bestimmten Rollen erzogen, die vorschreiben, welche Gefühle und Kommunikationsweisen erlaubt sind, welche Interessen erwünscht sind, wie man sich in sozialen Situationen und Beziehungen zu verhalten hat und welche Beziehungen erwünscht und erlaubst. Diese sind schädlich und einschränkend für alle Menschen und führen zu gesellschaftlichen Strukturen, die Frauen und (gender-)queere Personen systematisch benachteiligen.
Gerade bei Geschlechterfragen führt die oft sehr ungleiche Arbeitsverteilung in privaten Haushalten und Familien häufig zu Problemen, da hier die meiste (unbezahlte) Arbeit immer noch von Frauen getätigt wird. Was wiederum dazu führt, dass sie weniger bezahlte Arbeit leisten können, da sie sich um Haushalt und Kinder kümmern müssen, während ihr Ehepartner Karriere machen kann. Diese Strukturen haben trotz der Beharrlichkeit einiger, dass „Moderne Männer doch genau so viel im Haushalt machen“, vor allem in der Kindererziehung immer noch Bestand.
Zusätzlich zu der gesellschaftlichen Mehrarbeit die so von Frauen und auch genderqueeren Personen getragen wird sind diese Gruppen auch mehr häuslicher und sexueller Gewalt ausgesetzt, diese beginnt bei sexistischen bzw. diskriminierenden Witzen und Bemerkungen und endet schließlich in den, in Österreich erschreckend häufigen Femiziden.
Neben dieser systemischen Diskriminierung bei der Arbeit im Privaten ebenso wie im Öffentlichen kommt noch dazu, dass Frauen und genderqueere Personen pausenlos um die Selbstbestimmung über ihr Verhalten, Aussehen und sogar ihren Körper kämpfen müssen. So sind Schwangerschaftsabbrüche zum Beispiel in Österreich zwar unter bestimmten Umständen straffrei, aber dennoch illegal. Weshalb Krankenkassen die nötigen Behandlungen nicht zahlen können. Auch wird der (freie) Zugang zu Menstruationsartikeln immer noch nicht ernst genommen. Ähnlich schaut es auch mit dem Zugang zu Verhütungsmitteln, die nicht nur wegen der Prävention von Schwangerschaften, sondern auch aufgrund der Prävention von Geschlechtskrankheiten notwendig sind.
Nicht ganz einfach stellt sich auch die medizinische Situation für trans Personen dar, so kann die Krankenkasse zwar die Kosten der Transition übernehmen, aber erst nachdem man sich durch einen langwierigen Prozess mit mehreren Diagnosen und psychologischer bzw. psychiatrischer Gutachten gequält hat um festzustellen ob man „[…]längere Zeit unter der zwanghaften Vorstellung gelebt habe, dem anderen Geschlecht anzugehören[...]“. Und dann kann man zumindest rechtlich Name und Geschlecht ändern. Außer man ist Nicht-Binär, also nicht Frau oder Mann, denn die Republik Österreich erkennt Nicht-Binäre Menschen nicht an. An der Universität Wien schaut das offiziell sehr ähnlich aus, denn man benötigt die offiziellen Dokumente, um Namen und Geschlecht auf u:space zu ändern, sonst muss man es halt mit jeder LV-Leitung persönlich ausreden.
Was die Rechte von intersex Personen, also Personen die mit nicht ganz klar „männlichen“ oder „weiblichen“ primären Geschlechtsmarkern auf die Welt gekommen, schaut es in Österreich ganz schlecht aus. So haben intersex Personen weder ein Anrecht darauf nicht kurz nach ihrer Geburt auf entweder Mann oder Frau „angepasst“ zu werden, noch gibt es die Möglichkeit für Personen, denen dadurch geschadet wurde, Reparationen zu erhalten, oder sich sonst zu wehren.
Gegen die hier dargestellten Verhältnisse stellen wir uns als IG Geschichte, vor allem im universitären Kontext. Unsere Interpretation von Feminismus und Antiheteronormativität endet nicht nur mit dem Kampf der Gleichstellung von cis-Frauen und homosexueller Personen sondern ist einer der die Befreiung aller Menschen, die von patriarchaler und heteronormativer Gewalt und Unterdrückung betroffen sind. Wir sind auch für die Befreiung aller Menschen von patriarchalen und heteronormativen Rollenbildern und Strukturen. Es ist uns vor allem nicht nur wichtig, dass Institutionen rhetorisch Feminismus und queere Menschen unterstützen sondern dass es eine materielle Veränderung zum besseren für ALLE von patriarchaler Gewalt betroffenen gibt, dass es nicht nur eine Anerkennung und ein „Sehen“ von Problemen gibt, sondern aktive Lösungen, die die reale Situation verbessern.
